Unsere Sylvesternacht in Vancouver unterschied sich grundsätzlich nicht groß von den „letzten Abenden“ des jeweiligen Jahres in der Bundesallee. Wir waren zu Hause im Bett, die Kinder schliefen. Wir versuchten es wie jedes Jahr mit Konversation, aber auch dieses Mal erreichten wir Mitternacht und Jahreswechsel nicht wach sondern schlummerten wohlig zu fünft in unserem Schlafzimmer. Ein Unterschied beförderte dieses Sylvester aber dann doch in die Kategorie der besonderen Erfahrungen: Es war – still …! Keine Rakete, kein Böllerknall- einfach nur absolute Stille. Im krassen Gegensatz zur Kakophonie des sinn- und trostlosen Geböllers zu Hause ist das private abfackeln von Feuerwerk hier einfach nicht erlaubt. Punkt. Es gibt ein Feuerwerk der Stadt und das war es dann auch. Kein Knalltrauma, keine Verletzten, keine extra Einsätze der Feuerwehr, kein Geld anzünden, keine Randale und kein Lärm- einfach wunderbar! Das wäre mal eine Idee für den Import nach Deutschland.
Pünktlich zum Jahresbeginn meldete sich nach nur vier Wochen leider viel zu früh meine Zahnwurzelentzündung wieder mit Macht und neuer Kraft zurück. Schade. Irgendwie hatte ich gehofft es nach Deutschland zu schaffen und dort behandeln zu lassen. Daraus wurde nichts. Schmerztabletten halfen diesmal nicht, auch ein zermürbender Gang zu UBC Emergency Clinic nachts um zwei am zweiten Januar half nichts: geschlossen – Öffnungszeiten vom 8 Uhr morgens bis 10 Uhr abends. Ich trabte also sechs Stunden später wieder in die Notaufnahme und ließ mir ein Antibiotokum verschreiben. Es dauerte leider weitere 24 Stunden bis diese die Entzündung soweit runter gedrückt hatten, dass die Schmerzen wieder „normal“ waren.
Habe mir als Behandlungsort die UBC Dental Care Clinic ausgesucht. Das ist ganz sinnvoll: Dort nehmen Zahnmedizinstudenten im dritten und vierten Lehrjahr die Diagnose und, falls möglich, Behandlung vor. Unter Beobachtung eines Professors, der ab und zu vorbei kommt und nach dem rechten sieht. Das sah in meinem Fall so aus, dass jeder mal in mein Zahnfleisch pieken durfte: der im dritten Lehrjahr, erst ganz zaghaft, später rabiat. Der im vierten Lehrjahr zur Kontrolle. Der Prof zur Kontrolle der Konrolle und zum zeigen wie es richtig geht. Dann nochmal der im dritten. Eindringtiefe der Metallspitze jeweils zwischen 4 und 15 mm. Der Prozess nennt sich „probing“ und dient zur Ermittlung ob und wieweit der Kiefer um den entzündeten Zahn herum noch fest oder weich ist. Also ob die Wurzel entzündet ist oder nicht. Danach kam noch eine Wuzelspezialistin und durfte auch mal proben und am Zahnwurzelhals rumfühlen, also auf und abstreichen mit dem Pieker. Das Ende vom Lied war, dass ich wenig (sehr wenig) für die Qual bezahlen musste (was gut ist), Studenten in der Ausbildung unterstützt habe (was sehr gut ist) und an die „Endo Grads“ weitergeleitet wurde, also an die Auszubildenden im Masterstudium zum Wurzelspezialist (ist das nicht wunderbar???)…
Ich habe dort dann meine behandelnde Zahnärztin kennengelernt und sie löst jetzt meine Wurzelhalsprobleme mit ruhiger, erfahrener Hand und sympatischer Art. Und das zu einem Viertel des regulären Marktpreises, weil es ja eine Unifakultät ist, die meinen Fall zu Ausbildungszwecken nutzt. Somit sind alle zufrieden und ich hoffe bald st es geschafft- habe schon zweimal drei Stunden dort zur Behandlung verbracht.
Die Uni hat auch wieder begonnen und ich merke, dass ich mich nochmal strecken muss. Viel lesen, viel schreiben. Und das mit einem Minimalaufwand an Zeit. Die Familie will und muss auch unterstützt werden. Damit also alle Hände voll zu tun zu Beginn des neuen Jahres!
Es ist immer noch kalt in Vancouver. Letzte Schnee- und Eisfetzen liegen noch überall rum und die Sonne scheint dazu wie verrückt. Es ist für uns der schönste Winter den wir jemals erlebt haben. Soviel tolles Winterwetter, soviel Schnee und alles direkt vor der Haustür. Hier noch ein paar Bilder von Vancouver im Winter 2016/17.