Wir haben jetzt mehr Zeit für Tagesausflüge. Die Uni ist zu Ende (na ja fast) und ich muss nicht mehr hin. Ruben ist mittlerweile ein fitter Wonneproppen der auch gerne mit auf Tagestouren kommen mag. Also nichts wie raus! Unser derzeitiges Ziel heißt Stanley Park, so eine Art winziges Kanada direkt in Vancouver. Zwischen Lionsgatebridge und Downtown, bei mehr oder weniger Regen und 100% Luftfeuchtigkeit machen wir uns auf und entdecken alte Bäume, Matschpfützen, Pilze und uns selber.
Der Stanley Park wurde um die 1860er Jahre abgeholzt. Die wenigen Riesen die heute noch stehen waren auch damals schon beachtlich- aber im vergleich zu den Giganten die standen wurden diese Bäume als wirtschaftlich nicht lohnende „Krüppel“ stehen gelassen- und sind 170 Jahre später stille Zeugen der menschlichen Gier. Der Preis, den vor allem die First Nations und die Natur zu zahlen hatten, war zu hoch für unseren Profit. Statt von denjenigen zu lernen die dieses Gebiet seit tausenden Jahren bewonten haben die europäischen Siedler dieser Welt ihren Stempel unerbittlich aufgedrückt. Unter diesen verbliebenen Riesen kurz zu verweilen und seine eigene räumliche Beschränktheit, Hektik und Unsicherheit zu spüren tat gut. Die Kinder in diesem Wald von der Leine zu lassen tat noch besser! Die Vorstellungskraft reicht nicht aus, sich einen Wald bestehend aus 80m hohen Giganten vorzustellen, so wie er vor 250 Jahren an der Küste Nordamerikas flächendeckend verbereitet war.