Reisetagebuch

Abreise aus Berlin: 30.05.2016 ab TXL

Unser Zubringerflug nach Frankfurt wurde kurz nach dem Checkin gecancelled. Bitte holen Sie ihr Gepäck wieder ab!

Da standen wir nun mit 90Kg Reisekoffern, 40Kg Handgepäck, einem Kinderwagen und zwei Autositzen und zwei Kindern in Tegel und die Reise ging holprig los. Freunde und Familie, die zum Abschied gekommen waren, waren natürlich nicht mehr da. Mira mit den Kindern und etwas Gepäck und ich mit zwei Trolleys und dem ganzen Rest durch Tegel manövriert. Wir sollten umgebucht werden, nur wo?

Irgendwann war klar, das wir den gebuchten Langstreckenflug mit Sitzplatzreservierung und Essensvorbestellung nicht mehr kriegen würden und wir wurden über München zu einem etwas späteren Lufthansaflug umgebucht. Ich will euch die vielen lästigen Details ersparen, von fehlenden Boardingkarten und Systemabstürzen usw. Unterm Strich zählt, dass wir durch all die Wirren des ausgefallen Fluges eine nette Band aus Vancouver kennengelernt haben (Dave, Andy und Kane von We are the Ctiy), die gerade von einer Europatournee zurück nach Hause flogen, uns mit Erika´s Mom für ein Treffen in Coquitlam verabredet und einen größeren Mietwagen bekommen haben. Perfect!

Eine besondere Erwähnung gilt den Kindern, die top mitgemacht haben! Cuno war so aufgedreht, dass er bis kurz vor der Landung in Vancouver wach blieb, also fast 24 Stunden am Stück.

Wir haben den Flieger als letzte verlassen und waren bei der Immigration am Flughafen mit einer Wartezeit von 2 Std. konfrontiert. Zum Glück konnte ich bei der äusserst einsilbigen, leise aber bestimmt sprechenden, gestrengen, adretten aber irgendwie auch brutalen Boarder Control Officerin erwirken, dass wir vorgezogen wurden (Familenbonus) und somit darf ich nun verkünden, dass wir die Aufenthaltserlaubnis für ein Jahr in Canada in der Hand halten!!!

Dann schnell zum Taxi (denn die Bestätigung für den Mietwagen hatten wir nicht bekommen- war zu Hause im Briefkasten verklemmt, echt wahr!) und ab ins Hotel und ich sag euch: Fotos lügen. Was für eine krasse Nummer! Wir sind zwei Nächte hier, und die Leute im Hotel sind nett, aber ist der Frühstücksraum abgebrannt (der Pub nebenan), so dass es leider kein Frühstück gibt (wir hatten wegen des herausragenden Pancakefrühstückes extra dieses Hotel gebucht) und auch ansonsten ist es eher so mittelgut. Macht aber nix, Hauptsache warm, satt und trocken, nicht wahr Johanna?! 😉

Good morning Downtown Vancouver

Good morning Downtown Vancouver- erster Blick in die neue Welt

Nur zum Frühstück muss mann morgens seinen Weg vorbei an den nicht wenigen rumliegenden Obdachlosen an der Grainville Street wählen. Wenn man Berlin Zoologischer Garten kennt schreckt einen das nicht besonders, aber die große Zahl und der Zustand der Verwahrlosung der Menschen sind doch bemerkenswert. So hatten wir das nicht erwartet. Nach zwei Tagen in Downtown komme ich zu der Erkenntnis, dass es hier ein Drogenproblem größeren Ausmaßes gibt.

31.05.2016

Habe heute meine SIN (Social Insurance Number) und Telefonnummern für unsere Mobiltelefone im kanadischen Nezt von Virgin bekommen. Und mit einem Tag Verspätung den Mietwagen abgeholt. Aber als ich das SUV stehen sah wußte ich: Da passen wir niemals alle rein mit Reisegepäck. Also zurück zum Desk aber Rick von Alamo hat mir ohne zu zögern einen brandneuen Dodge Caravan (Canada´s best-selling minivan) hingestellt und nun kann der Einzug in unsere neue Wohnung locker kommen. Was für eine Riesenkarre und das ist hier ein Minivan… Ich bin wirklich der erste Fahrer, es sind noch Auslieferungsaufkleber auf Reifen und im Innenraum, hat erst 11km runter. Cuno ist begeistert, er kann die Seitenschiebetüren und Heckklappe mit Knopfdruck öffnen und schließen. Ich bin begeistert, weil ich das Riesenschiff zum SUV-Preis bekomme. Morgen ziehen wir um, und dann gehts an den Strand- wie versprochen. Und danach zu Ikea…

June 1st 2016

Nachdem meinen liebe Familie geschlossen nachts wach war (jetlag) und sich lustig schnatternd unterhielt während ich schlief, nutze ich die morgendliche Zeit für Updates und Rechercche zum Thema Pancakes während alle anderen schlafen.

Wir ihr wißt ist unser Hotel nicht mehr in der Lage Frühstück zu servieren, also muss umorganisiert werden. Gestern gab es gefüllte Crepes, aber Crepes sind eben bei Leibe keine Pancakes. Deswegen fahren wir gleich in die Dunbar Street zu Jethro´s Fine Grub und ich erwarte die Pancakesonne aufgehen zu sehen. Schaut euch mal die Karte an: The Gold Rusch oder lieber doch Grrrreat Cakes?

So langsam wird es richtig lauschig hier, fühle mich schon ziemlich wohl. Mit dem Auto wird es heute im Gegensatz zu gestern sehr komfortabel. Hab gestern doch einige Kilometer Fußmarsch hingelegt, was sich auch gelohnt hat: habe einen großartigen Pizzaplace gefunden (1 slice 1,5$, sehr lecker), Händyverträge besorgt (nicht ganz unkompliziert als frisch Eingereister mit europäischem Telefon eines Apfelproduzenten) und meine SIN gezogen.

Jetzt hoffe ich noch auf schnelle Lieferung des Internets in unserer neuen Wohnung. Denn um Internet müssen wir uns selber kümmern.

Hab langsam Kohldampf und wecke jetzt die Familie! Stay tuned!

June 3rd

Unser Internet kommt am Samstag. Ich schreibe jetzt in einem offenem Netz von irgendeinem Nachbarn, das Signal ist schwach-also schnell:

  1. Lebensmittelpreise sind unglaublich hoch. Nach erstem Prüfblick in die Reisekasse ist jetzt schon klar: das halten wir so kein Jahr durch- wir werden unser Einkaufs- und Essverhalten anpassen müssen. Aber Wie heißt es so schön: adapt, adopt, improve!
  2. 40% asiatischer Bevölkerungsanteil in Vancouver Metropolitan bedeutet, dass fast jeder zweite Mensch Asiat ist. Klingt simpel – muss man sich aber auch erstmal dran gewöhnen.
  3. Jethro`s Fine Grub: Hat uns platt gemacht. Eine Portion hätte gereicht um vier Leute satt zu machen. Wir haben davon noch zwei Morgende gefrühstückt und gleich bringe ich die restliche Hälfte(!) zum Müll- ohne Quatsch. Doublelayer Pancake so groß wie ne Pizza. Wir konnten nur noch kapitulieren. Anfängerfehler 😉
  4. Strand und Meer. Haben wir noch nicht geschafft. Denn:
  5. Wir Leben aus Koffern. Alles andere fehlt. Abwaschen per Hand (Jürgen->“per“), blanker Hand weil kein Schwamm da. Usw, totale Improvisation. Aber:
  6. Bald kommen unsere Kisten aus D hier an, die DHL Trackinapp hat gesagt, dass die ersten Kisten schon im Auslieferungszentrum angekommen sind- fein.
  7. Was noch fehlt: Krankenversicherung (Antrag liegt aber schonmal vor), eigenes Auto (noch nix konkretes am Start), Erkundungsgang UBC Campus, Waldspaziergang – und den mache ich JETZT! Die Familie geht schlafen und mich zieht es in den Wald östlich des Campus. Bis dann! C.

June 5th 2016

Wir sind jetzt Kunden von Shaw Canada und haben eine blitzschnelle Internetanbindung, Skype und Fußball EM-Livestream sind gesichert-sehr gut. Belastet unsere Reisekasse mit 3×45$ für die ersten drei Monate und danach 9×73$ für den Rest des Jahres. Für alle eine schöne Kopfrechnenübung (ausser für Yogi), denn was macht das insgesamt pro Monat? Richtig, 792$ fürs Jahr also 66$/Monat (ja nach Wechselkurs knappe 50€). Wieder mal ist Canada teurer als Deutschland…

Heute, nachdem der Techniker das Internet auf uns losgelassen hat, eine kleine Weltreise gemacht und an deren Ende ein Auto gekauft. Fündig geworden bei Joe/ Jordani Motors in Burnaby, seines Zeichens Armenier und Freund der Deutschen weil sie den Völkermord an den Armeniern anerkennen und auch als solchen bezeichnen. Gute Verhandlungsbasis für alle mit deutschem Pass! Nachdem ich mir vorher zwei Wagen angeschaut hatte (grauslich!) machte dieser Chevy Venture einen gepflegten Eindruck, etwas zerbeult und viel Handbetrieb (nix elektrische Fensterheber o. Aussenspiegel) aber solider 3,4L V6 Motor mit 4-Gang-Automatik und ner Menge Platz für uns. Probefahrt war gut, zusammen mit dem Mechaniker. Am Ende war ich überzeugt den Wagen zu nehmen-soll er uns für das kommende Jahr ein treuer Begleiter sein. Morgen hol ich ihn ab.

Reisekasse: minus 2000$ für den Wagen; minus 2100$ für die Versicherung! Bäääm!!! Aber muss halt sein. Übrigens ist die Autoversicherung hier staatlich (ICBC), also fällt man zumindest keinem Versicherungsvertreter zum Opfer 😉

Nachdem die Mobilität nun weiterhin gegeben ist, werde ich Morgen versuchen den Mietwagen wieder zurück zu geben. Vielleicht gibt es noch ne Erstattung für einen oder zwei Tage- hatte den ja eigentlich für ne ganze Woche gemietet, und die is noch nicht rum.

Nun aber was fürs Auge

Hier unser Häuschen von vorn:

 

Es ist ein Holzhaus und hat zwei Wohnetagen, absolut nett und top geschnitten. Gutes Innenklima und viele große Fenster. Es wimmelt vor Einbauschränken und eingebauten Regalen. Eine pfiffige Einbauküche haben wir auch. Mit angegliedertem Essraum sowie dem Wohnzimmer im EG. Oben unser aller Schlafzimmer und das Spielzimmer und Bad. 75qm und es fehlt uns nicht an Platz, obwohl wir 16qm weniger haben als in Berlin, wo es doch sehr eng und kramig war. Wir haben hier ein tolles zu Hause! So schön leer-

Ach ja, mein erster Waldspaziergang. Keine drei Minuten vom Haus beginnt ein kleiner aber feiner Teil des Pacific Spirit Regional Park:

Ich war sofort voller Bewunderung und erstaunt über diese grüne Pracht. Leider habe ich sofort die kleinen Marken an den mächtigen Bäumen erkannt und was soll ich euch sagen: Die mächtigen alten Bäume, deren neuester Nachbar ich jetzt bin, und unter deren Kronen ein Weißkopf-Seeadler saß, werden mitsamt aller anderen Bäume, Sträucher und Farne abgeholzt um neuen Wohn- und Lebensraum für die Menschen zu gestalten… Wohnungen, Apartments, Kindergarten usw. Hat mich direkt in die Realität zurück geholt. Eisen, Stahl und Beton besiegen das älteste Holz.

Gruß aus Vancouver! C.

June 6th 2016

Nachtrag: Wenn die kleinen Helfer fehlen

Vor ein paar Tagen waren wir bei IKEA um Matratzen und einige Dinge des alltägichen Überlebens zu besorgen. Wer sich mit IKEA auskennt findet sich blind zurecht, alles wie bei uns. Frapierend! Beim Aufbau des Tisch & Stuhlsets dann wieder wie damals: Zwar eine Bitbox mitgenommen aber keinen Akkuschrauber. Der Ratschenkoffer ist noch in der Post. Also: Ikeasechskantschlüsselhandarbeit! Toll!

Heute bin ich los und hab unseren 2016er Dodge Caravan Miet“mini“van zum Airport zurück gebracht. Habe in den letzten 5 Tagen insgesamt 300km damit zurückgelegt (Klimanalage immer an) und dabei 50L Sprit verballert!!! Da können die Benzinpreise niedrig sein wie sie wollen (1,25$/L), das ist teuer und völlig übertrieben. Natürlich geht jede Tür am Dodge per Knopfdrück auf und zu und auch sonst ist der Wagen vollgestopft mit schwerer Technik. Groß ist er auch. Den ecodrive-Schalter hab ich wohl zu spät gedrückt, ich nehme an, dass man den Wagen dann um die 14L/100km fahren kann- bei verminderter Leistung. Wahnsinn. Was nimmt wohl ein RAM 1500 oder ein FORD F150???

Danach zu Joe und den 2003er Venture in Besitz genommen. Soweit erstmal so gut- hoffe so bleibts mit dem Wagen. Der Famile gefällt er auch und Cuno sagte: „Genau so einen wollte ich haben!“ Na dann is ja alles in Butter!

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Unser neuer: Chevy Venture 3,4l V6 Familyvan

Es waren heut wieder 30 Grad und bis auf eine Nacht hat es hier noch nicht geregnet. Warte weiter auf den berühmten Vancouver rain.

Die Lebensmittelpreise sind in den letzten Jahren stark angestiegen, ebenso die Mieten. Soviel hat uns eine Kanadierin (Sie wohnt nebenan und studiert Medizin. So langsam lernen wir die Nachbarn kennen, ich glaube das könnte gut klappen mit denen) heute berichtet. Tolle Nachrichten, aber warum sollte es hier anders sein als bei uns? Nur, dass unsere Lebensmittel wirklich sensationell preiswert sind im Vergleich zu hier. Einige Beispiele:

Teebeutel, beliebige Sorte, Packungsgröße wie bei uns: 8,49$

Gouda, 200gr am Stück oder in Scheiben: 8,37$

Salz 250gr.: 6,99$

Drei Kugeln Eis in der Mall: 12,75$ (kein Quatsch)

Spülmaschinentabs (30Stück): 18,99$

Klopapier, 8 Rollen, einlagig, besonders flauschig: 7,99$

Spülmittel für Wäsche: 1,25L: 16,99$

Und so geht es lustig weiter, egal ob im Drogeriemarkt (Shoppers Drug Mart) oder im Supermarkt (Save-on-foods; Safeways). Das stellt uns vor eine große Herausforderung denn die Lebenshaltungskosten könnten für uns zur Falle werden. Da heißt es rauszukriegen wo die Kanadier einkaufen. Und wie; denn wie schon erwähnt, manchmal lohnt es sich sehr, große Mengen oder Stückzahlen von einem Produkt zu kaufen, um dann große Rabatte zu bekommen.

Und dann wird alles in Plastiktüten verpackt. Ein fortschrittliches Land wie Kanada packt Dir alles in die dünne Plastiktüte ein. Das passt null zusammen. Mira spart aber schon fleißig, denn sie nimmt den Einkaufskorb mit raus und wir packen alles ohne Tüte lose in den Wagen- sehr gut. The Germans!

Samstag, gestern, haben wir ein Frühstück an der Küste gemacht. Auf dem Marine Drive am Universitätsgelände. Samt Flugstunden für die Kleinen. Einige Bilder dazu:

Jetzt werde ich meine Onlinebewerbung für den Parkplatz abgeben- na klar, auch die kostet Geld! C.

June 9th 2016

Globalisierung

Haben uns heute länger mit einem Kanadier unterhalten. Wie auch schon andere kanadische Locals andeuteten, beschrieb er, wie sich die Preise für das Wohnen (Miete oder Kauf) im Bereich Vancouver und Umgebung über wenige Jahre (seit 2013) mehr als verdoppelt, bei Kaufimmobilien sogar verdreifacht haben. Immobilien werden hauptsächlich zur Kapitalanalge gekauft und es werden absurde Preise bezahlt, eben aufgrund der horrenden Teuerungsrate. Wenn das mal nicht nach Immobilienblase/Bankenkrise in den USA 2008 erinnert… Viele der Käufer/Anleger sind finanzstarke Personen und Firmen aus dem asiatischen Bereich. Viele Kanadier entscheiden derzeit zwischen Famile oder zentraler Wohnung, wobei zentral auch noch 60km von Vancouver Downtown entfernt beinhaltet. Ist das nicht krass? Für bezahlbare Mietwohnungen stehen 20 oder 30 Interessenten schlange – genau wie in Berlin.

Es ist also ein besonders ungünstiges Zeitfenster für einen Immigrationsversuch. So scheint es. Unsere Chancen stünden also ungünstig, wollten wir länger als 12 Monate durchhalten.

Mittlerweile sind wir aber auch einen weiteren Schritt weiter, was unsere Budgetschonung angeht. Bigger ist better:

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Großformatige Crackers, Haferflocken und 4l Quelwasser aus Kanda schonen den Geldbeutel

Noch dazu haben wir heute einen neuen Laden ausgecheckt: Nofrills Market an der 4th Avenue in Kitsilano. Das ist nah dran und die haben gute Preise bei vielen Produkten. Auch haben wir unsere Strategie geändert: Von „Nahrung soll Bio“(Berlin) sind wir in Vancouver zu einer breiteren Streuung von Lebensmittelquellen übergegangen. Eier, Obst und Gemüse wo es geht Bio, Wasser, Nudeln, Reis, Haferflocken und alles weitere bei Safeway, Choice Market oder Nofrills, möglichst aus „lokaler Produktion“ (also British Columbia bzw. Kanada). Käse und Fleisch gibt es nicht. Fisch haben wir noch keinen gefunden. USA-Ware vermeiden wir wo wir können.

Die Kinder fühlen sich hier wohl. Wir leben ja auch in einer paradisischen Kunstwelt, die mit den Armutsproblemen und den Verdrängungseffekten da draußen nichts zu tun hat. Abgetrennt durch den Pacific Spirit Wald ist die UBC ein behüteter Ort der Ruhe. Mit eigener Polizei- und Feuerwache und eigenem Krankenhaus. Hier ein paar Bilder von heute Morgen:

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Wir nutzen den Platz auch redlich aus. Cuno flitzt mt seinem neuen Bike die Wege entlang und Alma freut sich über die vielen Spielsachen die überall rumliegen und mit denen jedes Kind spielen darf (communal toys).

Ich habe jetzt auch das Forstgebäude auf dem Campus entdeckt (bisher nur von aussen) und möchte als nächstes die Bibliothek aufsuchen. Denn die ersten Leseempfehlungen kommen langsam und ich will anfangen, mich auf das Lernen vorzubereiten. Und dann will ich euch noch vom UBC-Bookstore erzählen und das must-have UBC-Foto präsentieren. Also bis zu nächsten mal! C.

June 11th 2016

Für das morgige EM Spiel unserer Nationalmannschaft brauch ich eine Sportkneipe oder ich höre es mir auf Inforadio an… Streaming auf ARD und ZDF Seiten funktioniert nicht in Vancouver-

Heute war ich in der Woodward Bibliothek und habe mir meine ersten zwei Bücher ausgeliehen: „Forestry Handbook for British Columbia“ und  „Clearcutting the Pacific Rain Forest“. Ich werde wohl auch meine Lernorte dahin verlegen: das spart Geld (keine Kosten für Schreibtisch und Co) und dort herrscht Ruhe und der Wissenspool ist unmittelbar anzapfbar (Regalreihe SD 100 bis SD 500).

Ich brauche ein Fahrrad. Dringend. Ich fühle mich nicht nur besser als Radfahrer, es macht einfach Sinn: Zur Fakultät sind es von zu Hause 15 Minuten zu Fuß, zur Bücherei 10. Auch alle anderen Wege auf dem Unigelände sind zwischen 5 und 10 Minuten zu Fuß, da kommt einiges an Minuten pro Woche zusammen. Werde das Morgen nach dem Länderspiel auf die Agenda setzen, und zwar hier: Ride on Again Bikes in Kitsilano. Der Sonntag ist hier ein normaler Einkaufstag, Safeway hat zum Beispiel sieben Tage die Woche von 09:00 bis 22:00 auf.

Um unsere Kosten zu senken sind wir heute tiefer in den Gebrauchtmarkt eingestiegen. Einerseits hilft eine Vorrecherche in Craigslist, andererseits hilft es Leute zu fragen und sich von Laden zu Laden Empfehlungen zu holen. So sind wir heute zu Gummistiefeln für die Kinder, einem Regenanzug, einem Paar brandneuer, deutscher Ökoschuhe und einem Pulli für Alma, einer Regenhose, Fußballschuhen  und zwei Basebällen für Cuno sowie einem Vokabelbuch (2700Wörter aus dem täglichen Leben, eigentlich ein Kinderbuch mit vielen bunten Bildern) für mich gekommen- für knapp 160$. Superdeal! Vor allem wenn man bedenkt, was Kinderschuhe in D neu kosten. Ich werde mir meine Regenaussatttung auch gebraucht besorgen.

Nach dem Einkaufen war ich mit Cuno zum ersten Mal kurz am Strand. Dazu geht es eine Treppe hinab durch den Küstenwald und durch dichtes Gebüsch zu einem Salzgras/Matschstrand/Sumpfgebiet. Das ist alles andere als ein Erholungsstrand im klassischen Urlaubssinne, also genau richtig für uns: Kleine Rinnsale eignen sich zum Dämme bauen, unter den Steinen verstecken sich Krabben und angschwemmtes Strandgut ergibt gute Bohrstöcke. Wir hatten ne Menge Spaß und wir werden oft wiederkommen. Wenn es wieder mal warm ist probieren wir auch die Wassertemperatur aus, heute kamen wir nicht ran- zu matschig für Schuhe. Den sandigen Teil haben wir nicht gesehen, dort befindet sich das Zentrum des längsten Nudistenstrandes der Welt 🙂 (clothing optional beach)

June 13th 2016

Heute legen wir Fotos nach. Von Wreck Beach. Und heute hat auch der Begriff „Regenwald“ seine Ausprägung präsentiert. Folglich haben wir unsere neuen (gebrauchten) Regensachen angezogen und sind los zur Wald/Strandexpedition am UBC-Campus. Seht selbst:

 

Als der Regen stärker wurde und wir ausgiebig die Weite genossen hatten, ging es zurück durch den Küstenwald zum Marine Drive. Hier stehen einige spektakuläre Bäume. Nachfolgend das Bild eines 50-60cm starken Ahorns vor einer  ca. 200cm starken Küstendouglasie am Hang:

 

Auch heute habe ich meinen Stundenplan erstellt. So langsam geht es los, auch wenn das Urlaubsgefühl zur Zeit noch vorherrschend ist. Aber die Gewissheit, dass wir bald Universitätsalltag bestreiten müssen, kriecht uns nach und nach an. Meine Tage gehen im ersten Trimester montags bis 17 Uhr, dienstags und donnerstags bis 17:30. Das wird eine große Herausforderung für uns alle.

Wir erkunden daher jetzt den Bezirk Kitsilano, der der UBC sehr nahe liegt, genauer. Die Infrastruktur und öffentlichen Verkehrsmittel zwischen UBC und Kits sind sehr gut und wir kennen uns immer besser aus. Mira muss das ja dann alleine stemmen und hat immer die Kinder dabei- da gibt gute Ortskenntnis die nötige Sicherheit und Bewegunsfreiheit.

C.

June 19th 2016

Eine Weile ist vergangen und eine Menge passiert.

Lynn Canyon Park

Ein Nachmittagsausflug zur Hängebrücke am Lynn Canyon führte uns ca. eine Autostunde von UBC entfernt an den östlichen Rand North Vancouvers ins Lynn Valley. Das war der fällige Ausflug, denn vor lauter Alltagsorganisation dürfen Trips ins Umland nicht fehlen,  wir wollen das Land ja auch kennenlernen-nicht nur die (mitllerweile schon besser bekannte) Stadt mit ihren vielen Stadtteilen.

Also stürtzten wir uns mutig auf die von dicken Stahlseilen getragene, recht wackelige Hängebrücke über den Lynn Creek, der ca. 50m unter uns tosend durch sein felsiges Bett tobte. Am Ende der Hängebrücke wartete ein alter Douglasien (Pseudotsuga menziesii), Lebensbaum (Thuja plicata) und Hemlockbestand(Tsuga heterophylla). Mit Worten genauso schwierig zu beschreiben wie mit Fotos ist die Erhabenheit und Würde dieser Waldgesellschaften. Ich versuche es dennoch mit beidem:

Wir waren alle sehr beeindruckt und es hat mich im Herzen erfreut zu sehen, wie Cuno sich in dem Wald bewegte und alles in sich aufgesogen hat. Er ist ein richtiger Waldmensch geworden und trug auch als einziger vorbildlich eine leuchtende Warnweste. Denn ja: wer hier die Wege verläßt ist in Gefahr. Nicht nur vor Bären und Pumas, Insekten und Spinnen (die berüchtigte schwarze Witwe ist hier heimisch), sondern auch davor, sich zu verlaufen, zu stürzen oder ohne genug Essen oder Trinken in Not zu geraten. Deswegen stehen am Eingang auch deutliche Warnschilder mit der Bitte, leuchtende Kleidung zu tragen und unbedingt auf den Wegen zu bleiben- gut gemacht, Cuno!

Acadia Youth Soccer Camp

Und gleich weiter mit Cuno im Rampenlicht: Nachdem wir vor zwei Wochen gebrauchte Fussballschuhe für den Jungen besorgt hatten (top Zustand- ich würd sagen ungetragen!) war aufgrund des vormittäglichen Dauerregens stets das Training ausgefallen. Bis zum letzten Freitag: Die Sonne knallte vom Himmel und das Soccerfield leuchtete einladend saftig grün. Mit optimalen Wetterbedingungen, bester Laune und hoher Motivation stürmte unser Großer ins Training und hatte den Spaß seines Lebens! Wir stolzen Eltern selbstredend ebenso. Das Training dauerte zwei Stunden und ist den Kleinen gewidmet: Viel Techniktraining (Passen, Stoppen, Dribbeln, Schußtechnik, Koordination, Regeln (worum geht es beim Fussi eigentlich?) und jede Menge Spaß und Lob. Der Trainer, ca. mitte zwanzig, heißt Farhaz und ist voll dabei. Cuno hing an seinen Lippen und hat die schweren (Adidas) Lederbälle in Richtung der Maschen gedroschen, dass ich vom Feeling her ein gutes Gefühl hatte 😉 WM 2034- offensives Mittelfeld oder Torwart: Cuno Schröter

 

Moving stuff

Es muss nochmal ein Lobgesang auf unseren betagten Chevy Venture abgehalten werden. Zu seinen Ehren also noch ein paar Bilder:

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Toll ist, dass alle Sitze separat und einfach herausgenommen werden können. Nimmt man alle hinteren Sitze raus, hat man einen beachtlichen Transporter. Den brauchte ich auch am Samstag: Zur Wohnzimmereinrichtung gehört ab sofort (neben Wäscheständer 1 und 2) ein (sackschweres) Sofa mit Ausklappbett. Im Prinzip das, was wir schonmal hatten nur dreimal kleiner, aber genauso schwer. Erstanden bei Craigslist, der Gebrauchtwarenbörse Nordamerikas.

Ein Sofa muss einfach sein, denn auf lange Sicht sind die IKEA-Stühle in der Küche nicht wirklich für gemütliche Abendstunden geeignet- Hand aufs Herz, das ginge euch auch so. Folglich hatte ich mit meinem Chevy den Auftrag erhalten, das von Mira ausgespähte Sofa von Fraser and Mainstreet abzuholen. Eine abendliche Ausfahrt von ca. 40 Minuten im Berufsverkehr – one way. Prima. (By the way: Autofahren ist in Vancouver sehr entspannt, wirklich. Ganz ohne die Berliner Aggressionen. Alles easy und locker. Großes Lob an die Kanadier!)

Bei Brent und Ashley (den Sofavorbesitzern) angekommen stellt sich heraus: Das Sofa im Sousterrain paßt weder die steile Treppe rauf (also wieder runterschleppen- Brent und ich), noch durch den Türrahmen am Treppenkopf. Brent ist stinkesauer auf Ashley, denn Ashley hat nur an die Kohle gedacht und weder (a) Brent noch (b) uns rechtzeitig Bescheid gesagt, dass (a) wir kommen bzw. (b) das Sofa nicht durch den Flaschenhals passt. Also hämmert Brent (der  auch unter zunehmender Akkumulation von Schweißperlen) kontinuierlich, freundlich und best-buddy-mäßig zu mir ist, an den Türschanieren rum nachdem er den Türrahmen schon vor meiner Ankunft einseitig rausgerissen hat. Das weckt natürlich den  Säugling und Ashley ist eisig wutentbrannt – versucht aber, sich nichts anmerken zu lassen. Nach weiteren Hammerschlägen erzähl ich Brent, dass ich Tischler bin, und dass er die Scharnierbolzen auch (nahezu) lautlos von unten aus den Scharnieren bugsieren kann. Gemeinsam, in deutsch-kandischer Kollaboration, hängen wir die Tür aus, schrauben noch die Sofafüße ab (geschraubt mit kanadischen „Squareheads“: Schrauben mit Vierkantantrieb- nix Kreuz oder Schlitz, geschweige denn Sechskant oder Torx…was für ein Gemurckse) und schleppen, zerren und wuchten das schwere Teil die steile, enge Treppe hoch und hinein in das Raumwunder: Chevy Venture.

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Dreisitzer mit Kissen im Heck

 

Als alles verladen ist, düst Brent von dannen- „I`ll have a beer!“. Und Ashley bleibt allein zurück. Ich glaub das gab noch Mecker…

Später am Abend hat uns dann ein netter Fußgänger beim Ausladen und ins Haus tragen geholfen und nun sitzen wir hier, auf unserem neuen Ashley und Brent-Sofa.

Die Fahrradsuche

…verlief bis heute Ergebnislos 😉 Aber davon beim nächsten Mal- inklusive Fahrbericht!

C.

June 21st 2016

Good bye Laundrycenter

Wieder ein neues Stück im Haus: eine gebrauchte Whirpool Ultimate Care Heavy Duty Super Capacity Plus! Noch Fragen? Unser kleines Haus hat keine eigene Waschmaschine. Zufällig ist dafür auch weder ein Anschluss noch ein Platz vorgesehen. Aber zufällig ist schräg gegenüber eines von zufällig sechs Laundrycentern, indem je 6 Waschmaschinen und Trockner auf „pay per wash“-Kunden (UBC Familien) warten. Nun braucht man ja saubere Kleidung, und so brachten wir unsere Wäsche stets dorthin. Aber:

  1. Der Waschgang kostet 2 – 2,5$, je nach Programm
  2. Das längste Program läuft 44 Minuten
  3. Danach ist die Wäsche noch voller Waschmittel
  4. Also nochmal waschen (Ka-tsching! Nochmal 2,5$- wieder ein Zufall?)
  5. Danach ist die Wäsche mäßig sauber (fairerweise muss ich zugeben, dass ich mit Wäsche (auch) Almas Stoffwindeln meine) Aber kein: „Iiiiiiiihhhhhh!“- das grobe Zeug kommt natürlich vorher ins Klo- nur um alle Missverständnisse auszuräumen: Alle Stoffeinlagen kommen vorgereinigt in die Maschine)
  6. Für Wasser und Strom zu Hause zahlen wir nicht extra, diese Kosten sind in der Miete inbegriffen

Somit addieren sich unsere Waschkosten bereits nach knapp drei Wochen UBC-Wäsche auf ca 70$. Das wird also bei 90$-100$ pro Monat hinauslaufen…Wir bleiben aber ein Jahr und haben (wie ihr wisst) Sparzwang. Also ab zu den Nachbarn (aha, die haben sich eine eigene Waschmaschine in die Küche reingestellt), danach ins Internet und dann zu Vancity Appliances in die 2900  Simpson Road, Richmond, gleich neben IKEA. Danke Craigslist. Dort, in einem fensterlosen Lagerraum ohne jeden Luxus, reiht Chris, der Vancity Verkäufer, seine gebrauchten Maschinen, Kühlschränke und Herde dicht an dicht unter Neonlicht aneinander. Alles mit rustikalem Altmaschinencharme aber sauber, und der Typ saunett (erinnerte etwas an Tony Soprano). Da haben wir uns dann diesen Riesentrümmer von Waschmaschine für 200$ gekauft, danach nochmal in100$ beim kanadischen Bauhaus (Home Depot) für Schläuche, T-Stücke und Adapter investiert und das ganze dann mit deutschem Handwerkersinn an die kanadische Küche angeschlossen (Eigenlob, ich weiß…). Und was soll ich sagen: Et looft! Tadaaaa:

Unsere Sitzecke ist unweigerlich maßiv eingeengt, aber wir passen uns an. Auch die Wasserzu- und ableitugen treiben dem Handwerker die Tränen in die Augen, doch Löcher in die Küche bohren ist nicht erlaubt. Daher als Überlandleitung bei dauerhaft geöffneter Schranktür. Muss ich hinnehmen. Gerade läuft unser Riesenbaby und muss gleich die höchste Hürde in Sachen Anforderung meistern: Almas Windeln, ihr wisst schon… Mira ist happy, und ich rechne schnell gegen: Noch 11 Monate, also ca. 1.000$ Waschcenter (und jede Menge Frust) gespart. Minus 300$ Investition macht 700$ auf der hohen Kante und bei Verkauf kurz vor Schluß winken nochmal 150$. Also hey, Schulterklopfer in Sachen Haushaltskasse und Selbtbestimmung. Wie das Waschergebnis ist werden wir gleich sehen. Needless to say: Unser Chevy hat uns vier und die Waschmaschine komfortabel und stoisch im 15L/100km Takt kutschiert. Dem ist das schnurzpiepegal- und ich hab ja jetzt Spritgeld! Irgendwie geil. 😉

Nachtrag zum Vatertag (19.06.2016)

Nach zwei Wochen vergeblicher Fahrradsuche in allen Möglichen Gassen, Läden und Internetquellen hat es mir gereicht. Statt um die 300$ für ein gutes gebrauchtes Mountainbike aus den 90ern oder 80-100$ für zeitlose, totale Schrotthaufen habe ich mir ein neues Rad gegönnt: Dieses Roadbike für 440$ inkl. Steuern. Find ich vertretbar, ich werd viel fahren und kann es am Ende behalten oder verkaufen. Hab schon zwei kurze Besorgungsfahrten gemacht und bin total zufrieden. Bilder folgen. Jetzt Wäsche aufhängen.

C.

June 27th 2016

klein, mittel, groß Costco Wholestore

Nach nun beinahe vier Wochen gehe ich nun ein weiteres Mal auf die Lebensmittelsituation ein:

Die Kinder essen seitdem sie temporäre Kanadier sind mindestens 40% mehr als zu Haus, wir wissen auch nicht warum. Luftveränderung? Synchrone Wachstumsschübe? Who knows…

Unsere Strategie um sowohl die Quantität als auch die Qualität des Lebensmittelnachschubes zu sichern ist daher (und das sag ich nicht ganz ohne Stolz) ausgeklügelt, damit wir mit den zur Verfügung stehenden Mitteln alles abdecken können:

Der Plan

Richtig, es gibt einen Wochenplan. Darauf basiert dann die Einkaufsliste.

Der Weg

Auto fahren ist teuer und umweltschädlich, also versuchen wir immer mehr, Wege zu optimieren und möglichst viel mit einer Tour abzudecken.

Die Quellen

Einmal pro Woche Wholefoods Organic Flag Store: lokales Obst und Gemüse, internationales Obst und Gemüse, Brotbackzutaten für Brot (ja, backt Mira selber) und Wasser (19ct/L Quellwasser im 7,5L Kanister zum selber Nachzapfen!) kaufen wir dort. Alles Bio und ganz viel ohne Gentechnik (non GMO/geneticly modified organisms) – das muss einfach sein. Basta!

non-gmo

Alle zwei Wochen direkt im Anschluss über die Cambie Bridge und innerhalb von 5 Minuten Fahrt zu Costco Wholesale Vancouver Downtown. Und Costco = megagroß! Im Prinzip wie unsere Metro. Dort ergänzen wir Vorräte von Müsli, Mandelmilch, Joghurt, gefrorenes Gemüse, Hygieneartikel usw., alles im Bigpack und im Verhältnis (viel) günstiger als woanders. Und auch viel Biosachen dabei- es lohnt sich also dort genau zu schauen. Einkaufen dort geht nur mit Mitgliedskarte- aber diese 50$ dafür haben wir nach zwei Einkäufen raus!

Die Beute

Sieht so aus:

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24er Bio Eier, 1,6kg Müslipackung statt 400gr, Bio Olivenöl im Doppelpack, Nudeln, Toilettenpapier und Ananas (sliced, fresh)- alles im Jumbopack von Costco

Selten aufgesuchte Quellen sind Safeway, und Nofrills- da halten wir aber hin und wieder und schauen nach Angeboten. Save on Foods , Choices Market (Organic) und Shoppers Drugmart waren „Anfängerfehler“ und sind für uns als Quellen versiegt, da viel zu teuer.

Und by the way- wir ernähren uns aufgrund der äusseren Umstände fast vegan: Fleisch und Fisch ist zu teuer, Milch ist durch Mandelmilch ersetzt, Käse (bis auf Cheddarcheese) ist unbezahlbar. Aber auf die bald beginnende Fischsaison freuen wir uns schon, denn dann fallen die Preise und die Kanadier kaufen sich Fischvorräte für das ganze Jahr- so haben wir das auch vor 😉

Tanken: Der Verbrauch hat sich auf 15L/100km Stadtverkehr eingependelt. Macht bei ca. 60L Tankfüllung ca 75$ bzw. 18-19$ je 100km Fahrleistung. Teuer – also wenig und sinnhaft fahren. Das bleibt unsere Aufgabe für die kommenden Monate.

C.

June 28th 2016, Vorzeichenwechsel

Hallo Freunde, nach nun genau vier Wochen Abwesenheit aus Berlin haben wir uns gestern feierlich das Abschiedspartyvideo von Immo angesehen und eure guten Wünsche gehört und gesehen. Es war toll! Danke, so eine Motivationsspritze im Ärmel zu haben wird uns (und besonders mich) in Zukunft pushen, wenn es schwierig werden sollte. Und das wird es bestimmt.

Aufgrund der Tatsachen, dass wir hier nun angekommen sind und wissen, dass auf uns alle 4 eine Herausforderung zukommt, deren Ausmaße wir nur schemenhaft ahnen, beginnt für uns jetzt eine neue Periode. Ich werde mich jetzt in Sachen Studium orientieren, das bedeutet zuerst mal Vokabeln lernen, lernen, lernen; einen Akademisch-Englisch Aufbaukurs belegen, mich in die Bibliothek zurückziehen oder Lesezeit in meinem Arbeitsquadrat (mein winziges aber tolles Arbeitszimmer) verbringen, beziehungsweise Bleistifte anspitzen, wie mein lieber Ex-Kommilitone und Kanadabegleiter aus dem Jahre 2007, André, sich kürzlich ausgedrückt hat. Auch bin ich darauf gespannt, wie ich (noch) lernen kann- nur zu gut hab ich Hans` Warnung in den Ohren, dass man mit Mitte dreißig anders und langsamer lernt.

Uns allen fällt dieser Wechsel schwer, das ist keine Überraschung.

Morgen beginnt aber der Vorzeichenwechsel mit einem persönlichen Termin beim MSFM-Programmdirektor Steve Mitchell. Ich möchte mit ihm über meine Chancen und Möglichkeiten sprechen, ein erfolgreicher Abschluss vorausgesetzt. Ausserdem möchte ich dem Berufsverband der Förster der Provinz British Columbia (ABCFP) beitreten. Steve Mitchell hat bereits zugesagt, mein „Sponsor“ zu sein- eine Art Begleit- und Aufsichtsperson welche meine berufliche Entwicklung während der Zeit als ABCFP-Bewerber überwacht. Ein ABCFP-Zertifikat UND den MSFM-Abschluss zu haben kann nicht verkehrt sein, und da ich nun schon mal hier bin, versuche ich soviel wie möglich mitzunehmen. Freitag ist Canada-Day, am Wochenende fahren wir nochmal raus (wir waren immer noch nicht im Stanley Park, in den Bergen, auf Victoria Island) und ab Montag bin ich wieder lernender Student- zumindest halbtags.

Für das Studium brauche ich übrigens Windows auf meinem Mac- hatte sowas schon geahnt. Also wer Erfahrungen mit Windows for OS oder Parrallels hat, bitte her damit!

C.

June 28th 2016, Freecycling

Hier stelle ich euch kurz meine „Zelle“ vor: Ein ca 1,5qm kleines Eckchen in unserem Schlafzimmer mit Licht, Heizung und Falttür sowie Blick auf die Pres`row-Studentenfamilienhäuser (nicht so schön wie unseres…)

Da hier in UBC viel ein-, aus- und umgezogen wird, geben die Menschen viele kleine Möbel, Regale, Fernseher oder auch Matrazen (ein wenig pfuibah…) in das sogenannte „freecycling“: es wird einfach alles raus gestellt, egal wie das Wetter ist. So kann man aber ganz nützliche Dinge finden und sein eigen nennen. So zum Beispiel die „Slim Shady“ LP von Eminem oder mein neuer Radiergummi… 😉

Aber auch mein Arbeitszimmermobiliar bestehend aus Tisch und Stuhl. Dazu für 25$ ein stabiles Holzregal, gefunden auf der UBC-Families Facebookseite. Das ganze Arrangement sieht dann so aus:

 

July 4th 2016

Elferschießen…

…nachmittags um 14:15  im Irish Pub, Westbroadway Ecke Alma Street. Boah, was waren wir fertig, aber noch fertiger waren die handvoll Italien Fans am Tisch nebenan! Danach direkt an den Strand und mit einem „dip into the ocean“ abgekühlt. Wer uns einen vimeo-link mit den original „Steffen Simon“-Ton schickt, dem gebührt unser Dank. Hier ist kaum ein Inhalt aus den ARD oder ZDF Videotheken zu bekommen, wie gesagt.

An der Stelle sei auf jeden Fall mein guter Freund  France Allemange erwähnt welcher die deutsche Nationalmannschaft zu jedem Spiel begleitet und nun vor einem Halbfinale steht, welches seine Trikot-Erfüllung „par excellence“sein wird! Schaut selbst.

Heute (Independence Day in den US und drei Tage nach Canada Day) hat die nächste Phase des Aufenthaltes an der UBC  begonnen- habe meinen ersten Vormittag in der Woodward Bibliothek verbracht und gelernt. Canadian Forestry History and Policy, Baumarten samt dazugehörigen Vokabeln lernen und etwas einlesen in „Salvage Logging and its Ecological Consequences“, was auf deutsch Holzernte (to salvage= retten/bergen) nach Schadereignissen (Feuer, Sturm, Käfer) bedeutet. Spannend.

Während ich lernte, hatte der Rest der Familie ein kleines Gabenfest: Danielas Paket, Grandma´s Päckchen, ein neuer Pulli für Alma und mein schlagfestes, wasserdichtes, schneedichtes und überhaut terminatorenhaftes Case fürs ipadmini und ein Brief von Cunos bestem Freund Justus sind alle auf einmal angekommen. Die reichlichen Gaben haben wahre Freudentänze und auch Tränen ausgelöst, glaube ich… Danke Grandma und Daniela für die tollen Dinge!!!

Nach einem köstlichen Mittagessen (Green Lental Plate mit Avocado), folte der zweiwöchentliche Großeinkauf bei Costco (nur möglich durch Miras amerikanischen Pass! Wozu so eine amerikanische Staatsangehörigkeit in Kanada auch gut sein kann…) und wir haben unsere Vorräte gemäß Budget und Foodplan ergänzt.

Neben mir brummt jetzt die Waschmaschine, welche zu unserer Zufriedenheit ihren Job tut, und Mira bringt die Kinder ins Bett. Ich lese noch etwas und Morgen früh gehts wieder in die Bibliothek- der Alltag beginnt!

Von Julius und Rainer erzähl ich euch beim nächsten mal…

C.